Zurück in die Zukunft: Neues Lebensgefühl im Seniorenzentrum Stockach

Modernes Interior Design und Pflegeheim – das muss kein Widerspruch sein, wie das Seniorenzentrum Stockach am Bodensee zeigt. Fritz Schlecht/SHL hat dafür eine Einrichtung entworfen, die Spaß macht und exakt zugeschnitten ist auf die Bedürfnisse der Bewohner, Besucher und Mitarbeiter.

Gleich im Empfang wird deutlich: Dieses Haus ist modern und zukunftsgerichtet, was das Konzept und die Einrichtung angeht. Klare Linien bestimmen das Möbeldesign, frisches Grün setzt markante Akzente. Das „Rock & Roll Café“ ist ein schwungvoller Treffpunkt für alle Generationen, gestaltet ganz im Stil der Rockin‘ Fifties. Geschwungene rote Lederstühle und eine großzügige Sitzbank mit hoher Rückenlehne, beides auf dem Untergrund eines klassischen Schachbrett-Fliesenbodens, versetzen die Gäste direkt zurück in die Jugendjahre der Bewohner.

Gemütlich wird‘s in den Wohnbereichen. Hier haben die Innenarchitekten von
Fritz Schlecht/SHL die Einrichtungstrends der Siebziger- und Achtzigerjahre aufgegriffen, die das Gefühl von Zuhause ins Seniorenheim holen. Eiche-Optik und farbig abgesetzte Polsterbezüge prägen das Interieur, bequeme Ohrensessel sorgen für eine gemütliche Atmosphäre in der Kaminecke. Für jede Wohngruppe hat Fritz Schlecht/SHL Farben und Dessins leicht abgewandelt, um den Bewohnern die Orientierung zu erleichtern – wichtig besonders bei Menschen mit Demenz.

Komfortabel und modern gestaltet sind auch die Bewohnerzimmer. Hell und geräumig, mit Niederflurbett, praktischen Einbaumöbeln und behindertengerechtem Badezimmer sorgen sie dafür, dass sich die Bewohner rundum wohlfühlen. Praktisch für die Mitarbeiter: pflegeleichte Oberflächen, schmutzabweisende und hygienische Stoffe sowie die hohe Strapazierfähigkeit und Qualität der Möbel. Das erleichtert Arbeitsabläufe und sichert langfristig die Wirtschaftlichkeit des Hauses.

Projekt: Seniorenzentrum Stockach
Bauherr: Hegau Bodensee Diakonie gGmbH, Stockach
Architektur: Planungsgesellschaft Stahl Denninger, Tübingen
Innenarchitektur, Objektmöbel: Fritz Schlecht/SHL, Altensteig

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Ihre Räume in 3D-Echtrealisierung

Nutzen Sie unsere Planungskompetenz in der Ausstellung | Ideenwelt

Verschiedene Perspektiven, unterschiedliche Ansichten, ausgewählte Farbstimmungen: Mit unserer 3D-Raumsimulation in der neuen Ausstellung | Ideenwelt erleben Sie Ihre Räume hautnah, noch bevor sie Realität sind. Mittels 3D-Brille verwandelt sich das Innere des Präsentationskubus‘ im Handumdrehen in eine Hotelsuite, eine Lobby, ein Bewohner- oder Dienstzimmer. Wir zeigen Ihnen, wie die geplante Einrichtung im Raum wirkt und wie durchdachte, auf unterschiedliche Nutzenaspekte zugeschnittene Farbkompositionen die Atmosphäre verändern und die Stimmung beeinflussen – von entspannend bis anregend, von traumhaft bis inspirierend, von erfrischend bis wärmend.

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Lebensnah und familiär: Das Haus am Fliednerplatz der Nieder-Ramstädter Diakonie in Mühltal

Im Herzen von Nieder-Ramstadt entsteht ein neuer Stadtteil, der Leben, Wohnen und Arbeiten verbindet. Der zentrale Fliednerplatz mit seinen vielfältigen Wohn- und Dienstleistungsangeboten ist ein vitaler Ort der Begegnung zwischen Jung und Alt. Hier bietet das Haus am Fliednerplatz ein modernes und wohnliches Zuhause für ältere und pflegebedürftige Menschen – in attraktiver Lage, in unmittelbarer Nähe zu Geschäften, Cafés und dem malerischen Park rund um die Lazaruskirche, der zum Spazieren und Verweilen einlädt. Ein durchdachtes Farbkonzept und die wertige Möblierung der Zimmer, Gemeinschaftsräume und Bäder – entworfen und gefertigt von Fritz Schlecht/SHL – macht die Einrichtung der Nieder-Ramstädter Diakonie zu einer Seniorenresidenz mit besonderer Lebensqualität.

Im ersten Pflegeheim Mühltals leben die Menschen im innovativen Hausgemeinschaftsmodell zusammen: Jeweils zwölf Personen bilden eine Hausgemeinschaft, die über eine große, offene Küche  sowie einladende Wohn-, Ess- und Aufenthaltsbereiche zur gemeinsamen Nutzung verfügt.  So entsteht eine gemütliche Atmosphäre mit dem Gefühl von Zuhause. Hier wird gemeinsam gekocht, gegessen, sich unterhalten und ausgetauscht. Offene Strukturen und gut überschaubare Räume fördern den Kontakt und werden zugleich dem Bewegungsdrang von Menschen mit Demenz gerecht. Das helle Holz der Einrichtung kontrastiert mit Bezugsstoffen in frischen, kräftigen Farben, von Rot über Blau bis hin zu frühlingshaftem Grün und Gelb. Dabei dominiert jeweils eine Farbe in jeder Wohngruppe. Der Wiedererkennungseffekt dient der besseren Orientierung der Bewohner und schafft ein vertrautes Gefühl.

Keines der zwölf Einzel- und Paarzimmer der Hausgemeinschaften gleicht in Zuschnitt und Ausblick dem anderen. Jedes verfügt jedoch über ein eigenes, barrierefreies Wohlfühlbad und eine Einrichtung, die höchsten Komfort und beste Funktionalität bietet – und mit seiner modernen und wohnlichen Anmutung überzeugt.

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Mehr Lebensqualität durch die richtige Farbgestaltung

Wie sollten Seniorenresidenzen und Kliniken farblich gestaltet sein, damit Menschen sich wohlfühlen, damit Zufriedenheit, Heilung und Genesung gefördert werden? Im dritten Teil des Interviews gibt Farb- und Trendexperte Prof. Axel Venn Antworten und praktische Tipps rund um die Einrichtungsgestaltung von Pflegeheimen, Krankenhäusern und Seniorendomizilen.

Erster Teil des Interviews: Die Welt sinnvoll bunter gestalten
Zweiter Teil des Interviews: Farben schaffen Wohlfühlatmosphäre in Hotels

Farben der Gesundheit, Pflegeheimeinrichtung, Einrichtung Seniorenwohnheim

City-Residenz Unna: Seniorengerecht eingerichtet von Fritz Schlecht/SHL
http://goo.gl/T18zbK

Herr Professor Venn, worauf sollte bei der Farbgestaltung von Pflegeheimen besonders geachtet werden?

Hier sollten Farben in der Tat pflegerische Eignung besitzen. Da gibt es vielfältige Möglichkeiten. Auf einen Nenner gebracht sind es sanfte, eher warme Farben und ein pastelliges Sorbet, die aber, je nach Blickrichtung, mit ein paar kühlen Farben gut kombiniert werden müssen. Also beispielsweise ein sanftes Himmelblau oder ein Lichtgrau und daneben wärmere Naturtöne.

Gibt es bei der Farbwahrnehmung einen Unterschied zwischen alten und jungen Menschen?

Das ist eine schöne Frage. Den gibt es natürlich. Aber den Alten gefällt nur das, was den Jungen gefällt. Denn das Vorbild der Alten sind nicht die Alten, die mögen sie gar nicht, sondern das ist die Generation danach. Natürlich lässt bei den alten Leuten die Wahrnehmung etwas nach, daher mögen sie kräftigere Farben. Die Musik muss auch etwas lauter sein. Alle empfindungsorientierten Merkmale benötigen mehr Power.

Spielt der Zeitgeist einer Generation eine Rolle?

Stets sind es die großen Epochen, die uns begleiten. Der kulturelle und historische Konsens sowie der individuelle Status spielen eine wichtige Rolle. Die Zeit der Sozialisierung zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr prägt uns mehr als jede Zeit danach.Natürlich kann man von Pflegeheimen nicht erwarten, dass sie sich flexibel in der Farbgestaltung den Bewohnern oder den Besuchern individuell anpassen. Das wäre wirklich zu teuer. Dafür kann man aber wunderbar mit Dekorationsartikeln wie Kissen, Decken oder Bildern viel Individualität schaffen.

Helfen die Farbkonzepte von Pflegeheimen auch gleichzeitig dem Pflegepersonal, die intensive Arbeit leichter zu meistern?

Ja, das ist ein wesentliches Merkmal. Die Menschen sind viel zufriedener. In einer schönen Umgebung lässt es sich immer besser arbeiten und leben als in einer noch so charmanten Polizeikaserne.

In welchen Farben sollte das idealtypische Pflegezimmer einer Demenzstation gestaltet werden?

Ohne Gestaltungen, die chaotisch sind. Rund und sanft. Aber dennoch so, dass sich die Farben und Muster voneinander trennen. Keine scharfen Ecken, keine spitzen Winkel. Genügend Licht ist wichtig, genügend haptische Qualität und Strukturierungen. Möbel, Kissen, Decken müssen etwas zum Anfassen sein. Die gesamten Sinne müssen angesprochen werden. Deshalb sollte nicht mit glatten Flächen gearbeitet werden, sondern Wände und Möbel sollten strukturierte Oberflächen haben. Immer eher rund und amorph als gradlinig, eckig, spitz und linear. Auch der Boden muss freundlich gestaltet sein, eher dunkel als hell, mit sanften grau-braunen oder grau-roten Tönen.

Welches Farbkonzept würden Sie einem Pflegeheim ans Herz legen, um auch den Besuchern einen vertrauenserweckenden und behaglichen Empfang zu bereiten?

Wie das eigene Wohnzimmer. Das ist die beste Rezeptur. Die besten Kneipen, die besten Restaurants sind ausnahmslos diejenigen, die aussehen wie das eigene Wohnzimmer.

Gelten die Farbkonzepte für Pflegeheime genauso für Krankenhäuser? Oder gibt es Unterschiede?

Die sind sehr ähnlich. In Pflegeheimen ist man natürlich länger, da muss der Individualitätsbezug größer sein. Man sollte neue Bilder aufhängen und vielleicht den alten gegen einen neuen, bequemeren Stuhl austauschen. In Pflegeheimen ist die Rezeptur nicht so fix, denn sie muss individuell anpassbar sein.

Warum wird in so vielen Krankenhäusern auf die therapeutische Wirkung von Farben offensichtlich verzichtet?

Es scheitert weniger am Können als am Wollen. Ich bin noch nicht ganz dahintergekommen. Ich glaube, da gibt es kein Freund-Freund-Verhältnis von Krankenhausbetreibern oder Verwaltungen, auch häufig nicht von Pflegekräften und Ärzten. Sondern da ist eher ein geschäftsmäßiges, einseitiges Interesse an Effektivität auszumachen als an wahrhaftiger Fürsorge.

Wie könnten die Krankenzimmer zielführender im Sinne des Heilungserfolgs gestaltet werden?

Indem man sie ganz einfach menschlicher gestaltet. Freundliche Farben, menschenzugewandt. Das ist eigentlich ganz einfach, da gibt es vielfältige Rezepturen. Wir haben sie dargestellt! Wir müssen lernen, dem ewigen Diktat der Nutzenoptimierer eine Gegenposition, einen Imperativ zu mehr Menschlichkeit zu postulieren.

Gibt es einen Unterschied zwischen verschiedenen Diagnosen und/oder Stationen?

Männer würden es nicht so gut finden, wenn man sie in eine rosa Abteilung bettet. Frauen dagegen mögen floral Farbgestaltungen. Bei Männern darf es schon etwas sachlicher sein. Nur nicht zu sachlich – ein wenig sonnig getönte Farben mögen sie auch. Ich würde also vor allem zwischen den Farbvorlieben von Männern und Frauen unterscheiden, nicht zwischen verschiedenen Krankheitssymptomen.

Letzte Frage: Was dürfen wir in näherer Zukunft von Ihnen erwarten? Planen Sie weitere Projekte, zu denen wir sie dann befragen dürfen?

Vor Kurzem ist das Planungshandbuch „Farben der Hotels“ (Callwey Verlag, 79,- Euro) erschienen, ein wissenschaftlich fundiertes Fachbuch für die wirkungsvolle Farbgestaltung in Hotels. Dann bin ich an einem sehr spannenden Projekt dran: „Farben der Büros“. Da geht es um die Humanfunktion und Ergonomie der Farben, aber auch um Farbe als kommunikatives, emotionales und soziales Phänomen.

Wir danken Herrn Professor Venn ganz herzlich für das Interview.
– die einrichtungsblog-Redaktion

 

Prof. Axel Venn

Prof. Axel Venn

Axel Venn ist Professor für Farbgestaltung und Trendscouting an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim. Seit Jahren arbeitet der in Berlin lebende Autor über und mit Farbe und genießt internationales Renommee als Farb-, Trend- und Ästhetikberater. Er wurde mit verschiedenen Designpreisen ausgezeichnet und hat bereits zahlreiche Titel zum Thema Farbe veröffentlicht. Gemeinsam mit Janina Venn-Rosky hat er die wissenschaftliche Studie zu diesem Buch entwickelt und ausgewertet.

 

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Die Welt sinnvoll bunter gestalten

Prof. Axel Venn

Prof. Axel Venn

„Wir müssen uns nicht immer weiter entreichern, also puristischer und noch puristischer werden, sondern wir sollten unsere Sinne bereichern,“ sagt Axel Venn, Professor für Farbgestaltung und Autor des Buches „Farben der Gesundheit – Colours of Health & Care“. Im ersten Teil des Interviews mit der Einrichtungsblog Redaktion erläutert er die Hintergründe und Bedeutung des Projekts Farben der Gesundheit, auf dessen Grundlage auch Fritz Schlecht/SHL ganzheitliche Einrichtungskonzepte entwirft. Erfahren Sie, wie Ihr Zuhause idealerweise gestaltet sein sollte, um Ihr Wohlbefinden zu steigern.

 

Guten Tag Herr Venn. Sie sind Professor für Farbgestaltung und Autor des Buches „Farben der Gesundheit“. Sind Sie eher der theoretische oder der gummibärige Farbtyp?

Ich versuche beides zu vereinen. Früher war ich eher der Farbtyp, der Farben mehr emotional betrachtete. Heute bin ich etwas weiter und sehe Farben auch vom neurowissenschaftlichen Standpunkt aus sowie aus der Sicht ethnischer und kultureller Grundlagen.

Als was würden Sie sich also schließlich betrachten?

Für mich als studierter Designer spielt hauptsächlich die Übersetzung der Farbe in Gestaltung, in Design, in öffentliche oder individualisierte Merkmale die größte Rolle. Ich kann nicht sagen, welcher Farbtyp ich genau bin, und ich will auch keiner sein. Ich kann aber sagen, was ich nicht bin: Ich bin kein weißer Farbtyp und kein schwarzer Farbtyp. Das sind für mich Unfarben. Ich liebe die Farben, die Wellenlängen des Lichtes, Licht als Gesamtheit, ich liebe dabei seine spektralen Möglichkeiten.

 

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Mehr zu unseren Einrichtungskonzepten nach den Farben der Gesundheit finden Sie hier zum Download: FdG_Broschüre.pdf

 

In welchen Farben ist Ihr Zuhause gestaltet?

Es ist keinesfalls farblos. Jeder Raum hat einen anderen Ton. Es handelt sich immer um sanfte, getrübte Sorbet-Töne. Sie sind mit einer ganz zarten Patina belegt, aber jeder Raum ist anders.

War Ihre Frau von dem Konzept genauso überzeugt?

Ja, da sind wir uns sehr einig. Wir lieben die Farben und nicht die Unfarben.

Grün steht für die Hoffnung, meine Lieblingsfarbe ist Orange. Was bedeutet das für mich?

Wenn Sie das sagen, dann ist das wunderbar. Sie lieben die sonnigen Töne. Wenn jemand Grün mag, hat er sicherlich nicht nur eine ästhetische Beziehung zur Farbe, sondern vermutlich auch eine weltanschauliche. Das trifft bei Orange nicht unbedingt zu, es sei denn er ist Holländer. Dann ist er Patriot.

Warum trage ich aber kaum Kleidung in meiner Lieblingsfarbe?

Die Lieblingsfarbe bedeutet nicht, dass man ein Leben lang mit dieser Farbe herumläuft. Diese Lieblingsfarbe findet nicht immer ihre anwendungsspezifische Entsprechung. Im Grunde ist sie ein geistig-emotionales Gut, das ohne parallele Nutzenbezüge auskommt.

Wie finde ich konkret heraus, welche Farben mein Wohlbefinden steigern?

Indem man den Farbkasten-Test macht. Ich muss mich auf mein Schönheitsempfinden besinnen, also meine Vorstellung von „schön“ herausfinden. Die kann ich über die Sprache beschreiben, aber auch über Bewegung oder Gestik. Ich kann sie aber auch über Farbe beschreiben. Dafür besitzen wir die Kreativität. Die fantasievolle Vorstellung prägt stark unser Bewusstsein und natürlich auch sehr stark unser Unterbewusstsein.

Wie kann ich vor dem Streichen des Wohnzimmers feststellen, was zu mir passt?

Ich empfehle da einen Weg, der vielleicht nicht der einfachste, aber der nachhaltigste und wirkungsvollste ist: Man kauft sich einen einfachen Schulfarbkasten mit zwölf Farben und Deckweißtube. In einem Skizzenblock erstellt man dann ein Vokabular für das, was man haben will: beispielsweise „sanft“, „nicht so grau“, „lebendig“ und „nett“. Seine Vorstellung setzt man dann farbig um, das kann man auch zu dritt oder viert machen: Man überlegt sich, wie man seine Wohnung haben möchte, erstellt ein Cloud-Modell mit vier mal vier Zentimeter großen Quadraten und füllt sie mit seinen eigenen Farbideen. Und dann probiert man aus: Man hält das Ergebnis an die Wand und malt dann eine größere Fläche dort aus. Das kann man sehr pragmatisch und praktisch machen. Ein Farbfächer hilft uns dabei, von der passenden Farbe die richtige Rezeptur anmischen zu lassen.

Was unterscheidet das Konzept Farben der Gesundheit, auf dessen Grundlage auch Fritz Schlecht/SHL Einrichtungskonzepte entwickelt vom persönlichen, individuellen, subjektiven Farbgeschmack?

Dass die Begriffe, die wir untersucht haben, und die kollektiven Neigungen bei der Deutung dieser Begriffe sichtbar werden. Das ist das Einzigartige und das war auch die Absicht. Ich halte viel von Schwarmintelligenz, mehr als von individuellem Ehrgeiz.

Es war mir besonders wichtig herauszufinden, wie „gesund“, „appetitlich“, „schön“ oder „schrecklich“ aussieht. Das alles sind Begriffe, die wir bisher nur semantisch erörtert haben, also nur über das Wert-Verständnis. Das reichte mir nicht mehr aus. Ich habe festgestellt,  dass die semantisch-farbliche Form der Kommunikation sehr viel eindringlicher und mehrdeutiger, narrativer und interessanter ist als das bloße gesprochene Wort. Wir kennen das auch aus dem Theater oder dem Museum: Das Erlebnis um ein Bild, das einen Titel hat, ist intensiver als das reine Wort.

Wie lässt sich die Wirkung von Farben wissenschaftlich belegen? Wie sah das Forschungsdesign aus?

Ich habe sehr viel geforscht. Ich habe viele Menschen befragt, wie beispielsweise „lebendig“ aussieht, wie ein Sommertag oder der Frühling aussieht – und auch das jeweilige Gegenbeispiel. Die befragten Personen haben aus einem Reservoir von 60 Farben die entsprechenden Töne herausgenommen. So hat man dann den ersten wissenschaftlichen Zugang. Farben werden ausgesucht und zusammengelegt, um dann Mehrheitsbilder zu bekommen. Sehr einfach ist beispielsweise die Frage, wie „gemütlich“ aussieht und wie „ungemütlich“. Bei allen Untersuchungen nehme ich immer 60 Prozent Frauen und 40 Prozent Männer. Denn 8 Prozent aller Männer sind per se farbenblind und  gehen zudem oft oberflächlich mit ihren Gefühlsdarstellungen um. Frauen wägen Ihre Antworten ernster und sorgfältiger ab. Männer schwanken am liebsten in der Mitte herum. Warum da so ist, weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich interessiert sie das Thema nicht so. Das sieht man auch am Farben-Sprachschatz: Bei Blitz-Befragungen kannten Männer sieben, höchstens zehn Farben aus dem Effeff. Bei Frauen waren es 25 und mehr.

Was ist das Ziel des Projekts?

Dahinter steckt ein philanthropisches Modell. Die meisten Krankenhäuser oder Praxen werden hauptsächlich nutzenorientiert gestaltet. Die Einrichtung muss beispielsweise pflegeleicht sein und sich gut reinigen lassen. Die funktionale Gestaltung steht im Mittelpunkt, nicht der Patient. Das hat mich sehr gestört. Denn ein graues Krankenhaus oder eine weiße Praxis können kein Modell für eine menschenzugewandte, philanthropische Haltung sein.

Beim Betreten eines Krankenhauses habe ich oft das Gefühl, ich betrete eine Bank.

Dann geht es Ihnen noch gut. Die meisten sehen eher aus wie Finanzämter oder Polizeikasernen. Mich stört vor allem, dass wir uns das in unserer Reichtums-Gesellschaft leisten. Immerhin gehören wir zu den wohlhabendsten Staaten der Welt. Es ist für mich eine undemokratische verachtenswerte Haltung, in dieser Weise mit Menschen umzugehen, denen es nicht gut geht.

Ich habe diese misanthropische Haltung oft bei den Verwaltungen von Krankenhäusern, aber auch bei manchen Bauherren und Architekten erlebt. Mit dem Budget wird häufig falsch umgegangen. Das Ziel von „Farben der Gesundheit“ ist, der Menschen-Zugewandtheit mehr Chancen zu geben. Wir wollen die Welt sinnvoll bunter gestalten weil wir wissen, dass es den Menschen gefällt. Die Menschen zieht es in den Süden, schon seit den Völkerwanderungen, und es gibt einen Grund dafür: Der Süden ist schöner. Er hat die leuchtenden Farben und wärmeren Töne und Umgebung, und er hat sanftere Landschaften, die eben nicht nur grau, grün oder blau geprägt sind. Es sind vor allem die rötlichen Farben, mit denen wir uns wohl und geborgen fühlen. Es ist nicht nur die Wärme selbst, sondern es sind die Farben, die Wärme sichtbar macht.

Welche Fehler werden häufig bei der Einrichtungsgestaltung gemacht?

Oft werden Einrichtungen monothematisch gestaltet. Jeder Raum braucht aber zwei Sehachsen. Die eine muss beruhigend, die andere anregend sein. In einem rein weißen Raum weiß man nicht, wohin man schauen soll, alles ist gleich weiß. Ein Raum kommt nicht mit nur einem Temperament aus, sondern braucht immer zwei. Das ist natürlich besonders wichtig in Räumen, in denen man ruht und Erholung sucht. Man findet keine Erholung, wenn man nur auf eine gelbe Wand starrt, sondern man findet Erholung, wenn man mal sanfte, beruhigende und mal anregende Farben sieht. Wer auf weiße Wände besteht, sollte wenigstens dem Weiß etwas Gehalt geben. Zum Beispiel kann es eher kalkig oder leicht staubig sein. Oder es kann das sogenannte Isabella-Weiß sein, leicht grünlich angeschmutzt. Auch mit einem Sorbet-farbigen Schimmer wirkt ein Raum schon viel angenehmer und erholsamer.

 Wenn ich also Farben der Gruppe „aktivierend“ mit denen der Gruppe „beruhigend“ kombiniere, neutralisieren sie sich nicht?

Nein, damit erzielt man neue Wirkungen. Das ist auch gut und sinnvoll, denn dann hat man die bereits erwähnten Sichtachsen „anregend“ und „beruhigend“. Ich glaube, dass jeder Raum das braucht, weil der Mensch nicht so angelegt ist, dass er nur ein ruhiger Stoffel oder nur ein aufgeregter Kerl ist. Im Grunde hat da jeder zwei Seelen in seiner Brust und das soll auch ein Raum vermitteln. Alles, was um uns herum geschieht, was wir lesen und hören, hat große Einflüsse auf unser Wohlbefinden. Wir müssen uns nicht immer weiter entreichern, also puristischer und noch puristischer werden, sondern wir sollten unsere Sinne anreichern.

Mit Farben in der Einrichtungsgestaltung verbinde ich als erstes die Wandfarben. Mit welchen Elementen und Einrichtungsgegenständen lässt sich noch Wirkung erzielen bzw. steigern?

Das ist vor allem der Boden. Bei der Decke hingegen bin ich immer etwas vorsichtig, da mag ich am liebsten Weiß. Beim Blick nach oben schaue ich gerne in das Endlose, wie in den Himmel, während ich nach unten immer Sicherheit haben möchte. Dunkle Böden mit einer steinigen und erdigen Qualität geben ein Gefühl von Sicherheit.

Jeder Raum ist eine Landschaft und die Wände haben an ihr nun einmal die größte Fläche. Diese leeren Flächen können aber in den Hintergrund treten durch schöne Bücherwände oder große Bilder. Bibliotheken sind auch immer Teil großartiger Wohnlandschaften. Ich mag es allerdings nicht, wenn die Bücher in Billigregalen stehen, das haben die Bücher nicht verdient. An einer typischen Wohn- oder Esszimmerwand, vor der nichts steht, gibt es nichts Schöneres als ein riesengroßes Bild.

Auch Fenster sind natürlich wichtig, da sie den Blick nach draußen gestatten. Dazu können Vorhänge dem Raum eine schöne Atmosphäre, eine gute Akustik und ein gutes Mikroklima geben. Schränke hingegen versperren die Luft und den Blick, man sollte sie nicht in den Wohnbereich stellen. Sie zerstören auch die Silhouette eines Raumes und nehmen Platz weg. Deshalb halte ich viel von Garderobenräumen und Abstellkammern, in denen viele Dinge untergebracht werden können.

Ein Sofa sollte warm getönt sein, damit man sich wohl darauf fühlt. Rot beispielsweise oder violett mit schönen, braunen Kissen. Sofas sind Reste höhlenartiger Kuschelplätze und so sollen sie auch aussehen. Ledersofas mag ich nicht so sehr, sie laden nicht zum Kuscheln ein. Wesentlich sind auch Kissen. Das sind Gebilde, die unsere Zuneigung erdulden, auch wenn man sich nur auf sie setzt oder sie nur für den Rücken braucht. Außerdem sind sie auch Gestaltungselemente, mit denen man ruck-zuck eine ganze Wohnung verändern kann.

Sind die Farbwirkungen interkulturell übertragbar?

Meine Untersuchungen zeigen, dass die meisten sicherlich übertragbar sind. Es gibt einige kulturelle und folkloristische Besonderheiten, die hängen aber davon ab, wie und wo man lebt. Je mehr man reist und je mehr fremde Einflüsse man kennenlernt, desto eher gleicht man sich an und versteht das Andere. Ich kann mich heute auch in einem klassisch chinesischen Raum wohlfühlen, weil ich weiß, dass die Chinesen eine andere Kultur, andere Farben, Formen und Zeichen haben. Aber sie bereichern mich und ich finde sie nicht lästig. Was man nicht kennt, muss man erlernen.

Kulturell liegen beispielsweise Schwarz und Weiß ganz dicht beisammen. In unserer Kultur trägt auf einer Beerdigung der Tote weiß und die Trauernden schwarz – in anderen Kulturen ist das genau umgekehrt. Schwarz ist in allen Kulturen eine Farbe des Mythos, der Unterwelt und der Jenseitszuwendung. Auch tragen Chefs immer schwarz, in allen Ländern der Welt. Da gibt es immer wieder weltweite Übereinstimmungen. Die Farbwirkungen besitzen daher mehr völkerübergreifende Gemeinsamkeiten als man zu wissen glaubt.

 

Erfahren Sie im nächsten Teil unseres Interviews mit Prof. Venn mehr darüber, wie Hotels farblich gestaltet sein sollten, damit die Gäste sich wohlfühlen und gern wiederkommen.

 

Axel Venn ist Professor für Farbgestaltung und Trendscouting an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim. Seit Jahren arbeitet der in Berlin lebende Autor über und mit Farbe und genießt internationales Renommee als Farb-, Trend- und Ästhetikberater. Er wurde mit verschiedenen Designpreisen ausgezeichnet und hat bereits zahlreiche Titel zum Thema Farbe veröffentlicht. Gemeinsam mit Janina Venn-Rosky hat er die wissenschaftliche Studie zu diesem Buch entwickelt und ausgewertet.

 

 

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Die richtige Reinigung und Pflege von Stoffen und Kunstleder

SERIE – Teil 2: Textile Bezüge

Im ersten Teil unserer Serie haben Sie alles Wichtige über die Lederpflege erfahren. Damit auch Ihre Möbel aus Stoff oder Kunstleder lange schön bleiben, lesen Sie heute, wie Sie textile Bezüge richtig reinigen und pflegen.

Stoffe und Kunstleder sind bequem und weich, sehen gut aus und können auch hohen hygienischen Anforderungen gerecht werden. Die Textilien, die Fritz Schlecht/SHL für seine Polstermöbel verwendet, bieten jahrelangen Sitzkomfort und erfüllen die höchsten Standards. Der speziell für das Gesundheitswesen entwickelte MICROCARE ® Polsterstoff beispielsweise ist wasserdicht und sehr leicht zu reinigen. Dennoch ist der velourslederähnliche Stoff luftdurchlässig und gestattet der Haut zu atmen. Polsterstoffe aus natürlichen Materialien, Wolle und Mischgewebe sind hingegen empfindlich. Nicht wasserabweisend präparierte Bezüge sollten Sie besser in die chemische Reinigung oder zum Polsterreiniger bringen.

Unterschiedliche Bezüge benötigen unterschiedliche Pflege. Denn die Reinigung wird wesentlich von der Beschaffenheit der Fasern bestimmt. Es ist ratsam, alle Polstermöbel regelmäßig zu reinigen. Hier sind das Absaugen mit einer Polsterdüse oder das Ausbürsten mit einer weichen Bürste die wichtigsten und schonendsten Behandlungen. Die Sitzflächen von Polstermöbeln werden in der ersten Zeit weicher und anschmiegsamer. Das leichte Nachlassen der anfänglichen Starre ist normal und setzt sich danach kaum noch fort.

Flecken in textilen Bezügen beseitigen Sie am leichtesten unmittelbar nach der Entstehung. Entfernen Sie zunächst den Staub. Prüfen Sie dann die Farbechtheit und
Oberflächenveränderung des Polsterbezuges an einer verdeckten Stelle mit
einem weichen, weißen Tuch, das mit Reinigungs- bzw. Fleckenentfernungsmittel getränkt ist. Feuchte Flecken sollten vorher mit einem saugfähigen Tuch oder Papier abgetupft
werden. Verbleiben Rückstände, behandeln Sie diese bitte zusätzlich mit Polstershampoo.
Nehmen Sie den Fleck mit einem Tuch vom Rand zur Mitte hin auf.

Textilleder ist attraktiv, strapazierfähig und pflegeleicht und erfüllt höchste Anforderungen des modernen Objektgeschäfts. Es ermöglicht einen Echtlederlook, hat aber andere Eigenschaften als echtes Leder und benötigt daher auch eine andere Pflege. Mit einem weichen Tuch und handwarmem Seifenwasser lassen sich leichtere Verschmutzungen mit kreisenden Bewegungen beseitigen. Hartnäckigere Flecken sollten mit einer weichen Bürste und der Seifenlauge behandelt werden. Danach wischen Sie die Oberfläche mit einem feuchten Tuch, das in handwarmes, klares Wasser getaucht wurde, ab. Abschließend trocknen Sie das Möbel mit einem Tuch ab.

Eine intensive Nutzung lassen Bezugsmaterialien verschleißen. Ihrem Polstermöbel schaden können:

◆ Schmuck wie Armbänder, Ringe und Armbanduhren
◆ Geldbörsen und Schlüssel in der Gesäßtasche
◆ Reißverschlüsse, Nieten, aufgesetzte Taschen
◆ abfärbende Jeans
◆ Krallen und Schnäbel von Haustieren
◆ starke Licht- und Wärmeeinwirkung
◆ Krümel und Sand in den Sitzmulden

Bei Fragen zur Reinigung und Pflege Ihrer
Einrichtung kontaktieren Sie uns gern:

info@schlecht-shl.de | Tel. 07453 9470-0

Im nächsten Teil:

Massivholzmöbel: Richtig gepflegt sind sie lebenslange Begleiter

 

 

 

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